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Die Berliner Luftbrücke

Drei Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 und der daraus resultierenden Besatzung durch die vier Siegermächte kam es in Berlin zu einer Krise, die aus heutiger Sicht den ersten großen Konflikt im Kalten Krieg darstellte. Die sowjetische Blockade West-Berlins stellte die Westmächte vor nahezu unlösbare Probleme. Zwar waren die Ursachen für die Blockade vielfältig, der unmittelbare Anlass jedoch war die Währungsreform.

Menschen warten in einer Schlange an der Zonengrenze in Helmstedt. Rechts im Bild ein Fahnenmast mit der britischen Fahne und ein Soldat von hinten.
Grenze zwischen der sowjetischen und britischen Zone bei Helmstedt wenige Tage vor der Berlin-Blockade, 21. Juni 1948 (AlliiertenMuseum/US Army Photograph)

Eine Stadt – zwei Währungen

Seit Kriegsende 1945 mussten sich die Siegermächte mit der Währungssituation in Deutschland auseinandersetzen. Ein drastischer Geldüberhang, die mangelnde Akzeptanz der Währung sowie der blühende Schwarzmarkt machten eine Reform dringend erforderlich. Doch an ein gemeinsames Vorgehen der vier Siegermächte war spätestens seit dem Auszug des sowjetischen Vertreters aus dem Alliierten Kontrollrat im März 1948 nicht mehr zu denken.

Die Währungsreform der Westmächte wurde am 18. Juni verkündet und zwei Tage später eingeführt. Als unmittelbare Reaktion unterbrach die sowjetische Militäradministration bereits am 19. Juni den Personenverkehr von und nach Berlin, um sich vor einer zu erwartenden Flut der nun wertlos gewordenen Reichsmark zu schützen. Eine Währungsreform für die sowjetische Besatzungszone wurde am 23. Juni erlassen. In Berlin erkannten die Westmächte diese „Ostwährung“ nicht an. Vielmehr übernahmen sie die Währungsreform in den Westzonen, so dass ab dem 25. Juni auch in West-Berlin die Deutsche Mark der Bank deutscher Länder (DM-West) galt. Berlin war nun nicht nur in vier Besatzungssektoren, sondern auch in zwei Währungszonen geteilt.

Flugzeuge der US Air Force vom Typ C-54 stehen aufgereiht hintereinander und werden mit LKWs entladen.
Luftbrückenflugzeuge der US Air Force vom Typ C-54 werden auf dem Flughafen Tegel entladen, 1949 (AlliiertenMuseum/US Army/Dahlberg)

Versorgung aus der Luft

Neben den erwähnten Sperrungen des Straßenverkehrs am 19. Juni unterbrach die sowjetische Seite zwischen dem 19. und 29. Juni 1948 sukzessive alle Land-, Schienen- und Wasserwege zwischen West-Berlin und den drei westlichen Zonen. Lediglich die Luftkorridore, auf die sich die vier Siegermächte 1945/46 im Air Agreement geeinigt hatten, waren nicht betroffen.

Deshalb starteten die drei Westmächte eine Luftbrücke nach Berlin, welche die Stadt und ihre rund zwei Millionen Bewohner versorgen sollte. Ein ehrgeiziger Plan, der in dieser Größenordnung noch nie unternommen worden war und von dem unklar war, ob er überhaupt funktionieren würde.

Am 28. Juni 1948 landeten die ersten Flugzeuge der Amerikaner und Briten mit den Gütern für die Berliner Bevölkerung auf den Flughäfen Tempelhof und Gatow. Viele weitere Flüge folgten, doch niemand konnte vorhersehen, wie lange die Blockade andauern würde. Deshalb planten die Westmächte die Versorgung der Stadt zunächst bis in den Winter hinein. Eine tägliche Tonnage von 4.500 Tonnen Gütern war das Ziel in den ersten Wochen der Luftbrücke. Im Herbst 1948 wurde es auf 5.000 Tonnen täglich erhöht. Ein Großteil dieser Tonnage war Kohle, welche die Energieversorgung sicherstellen sollte.

US-General William H. Tunner wurde im Oktober zum Oberbefehlshaber der Combined Airlift Taskforce (CALTF) ernannt, die ihren Sitz in Wiesbaden hatte. Er perfektionierte die Luftbrücke. Der amerikanische Militärgouverneur in Deutschland, General Lucius D. Clay, sorgte für die nötige politische Unterstützung durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Harry S. Truman. Clay forderte immer mehr und immer größere Flugzeuge für den Einsatz in der Luftbrücke, Truman bewilligte sie.

Die französische Besatzungsmacht nahm in den ersten Monaten der Luftbrücke mit sechs Flugzeugen teil. Der dringend benötigte dritte Flughafen in Tegel im französischen Sektor wurde im November 1948 fertiggestellt. Etwa 19.000 Arbeiter und Arbeiterinnen bauten ihn in der Rekordzeit von nur drei Monaten. Die Briten mobilisierten ihre Luftwaffe, die Royal Air Force, und nahmen zusätzlich 25 Charterfirmen unter Vertrag, die vor allem Öl und Benzin in die Stadt flogen. Neben einem Frachtanteil von etwa 23 Prozent an der Gesamttonnage der Luftbrücke waren die Briten auch für den Großteil des Personentransports während der Blockade zuständig. Die Amerikaner stellten mit ihren C-54-Transportflugzeugen die größte Luftflotte der „Operation Vittles“ (Operation Verpflegung), wie der Einsatz auf amerikanischer Seite hieß. Im Frühjahr 1949 funktionierte die Versorgung Berlins so gut, dass an manchen Tagen mehr Güter auf dem Luftweg in die Stadt kamen, als vor der Blockade auf dem Land-, Wasser- und Schienenwege.

Diese herausragende Leistungsfähigkeit wurde von den Westmächten medienwirksam publik gemacht. Die fortdauernde positive Berichterstattung über die alliierten Tonnage-Leistungen und das steigende Ansehen der Westmächte waren sicherlich auch ein Grund dafür, dass die sowjetische Blockade schließlich am 12. Mai 1949 aufgehoben wurde. Unabhängig vom Ende der Blockade wurde die Luftbrücke noch weitere vier Monate bis in den Spätsommer 1949 fortgesetzt. Die historischen Ereignisse „Blockade Berlins“ und „Berliner Luftbrücke“ sind somit zeitlich nicht identisch.

Mit der Aufhebung der Blockade und dem Ende der Luftbrücke war die erste Krise im Kalten Krieg mit logistischen Mitteln gelöst worden – unter Verzicht auf militärische Gewalt. Das bedeutet allerdings nicht, dass es während der Luftbrücke nicht zu Todesopfern kam. Bei Flugzeugunfällen starben mindestens 78 Menschen. Ihre Namen sind auf den Sockel des Luftbrückendenkmals in Berlin-Tempelhof eingraviert.

Luftaufnahme einer großen Menschenmenge am Luftbrückendenkmal, das gerade enthüllt wird.
Einweihung des Luftbrückendenkmals in Berlin, Juli 1951 (AlliiertenMuseum/US Army Photograph)

Aus Besatzern werden BeschützeR

Aufgrund der Berliner Luftbrücke veränderte sich das Verhältnis zwischen den Westmächten und den Westberlinern spürbar. Wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hatten die einstigen Kriegsgegner durch die intensive Zusammenarbeit eine schwere politische Krise gemeinsam überwunden. Die Berliner Bevölkerung nahm die Besatzungsmächte nun als Schutzmächte wahr.

Luftbrücken-Statistik

Tonnage in amerikanischen Short tons (1 Short ton = 907 Kilogramm)

US

GB

Kohle

1.421.730 T.

164.800 T.

296.303 T.

241.713 T.

Lebens­mittel

Verschie­denes

65.540 T.

135.723 T.

24.216

34.815

Passa­giere nach Berlin

Passa­giere aus Berlin

36.584

130.091

379.688

175.682

Hin- und Rückflüge

  • Erste Luftbrücken-Flüge

  • Letzte Luftbrücken-Flüge

  • Höchste Tonnage in 24 Stunden

  • Höchste Anzahl an
    Flügen in 24 Stunden

  • Todesopfer während
    der Luftbrücke

28.06.1948

Chronologie

19. – 29. Juni 1948

Alle Land- , Schienen-, und Wasserwege von den westlichen Besatzungszonen nach Berlin werden blockiert.

28. Juni 1948

Amerikaner und Briten fliegen die ersten Güter ein, die für die Berliner Bevölkerung bestimmt sind – insgesamt 268 Tonnen an diesem Tag.

12. August

In 707 Flügen werden 4.724 Tonnen* nach Berlin geflogen. Damit gelingt es der anglo-amerikanischen Flotte erstmals, mehr als die angestrebte tägliche Tonnage von 4.500 Tonnen einzufliegen.

14. Oktober

Gründung der Combined Airlift Task Force (CALTF) mit dem amerikanischen General Tunner als Ober­komman­dieren­dem und dem britischen Air Commodore Merer als stellvertretendem Kommandanten.

Der amerikanische General Tunner
AlliiertenMuseum/US Air Force Photograph

05. November

Das erste Flugzeug landet auf dem in nur drei Monaten gebauten Flughafen Tegel.

26. Februar 1949

In 902 Flügen werden mehr als 8.000 Tonnen* an diesem Tag nach Berlin geflogen

16. April

Die absolute Höchstleistung während der gesamten Luftbrücke wird in der Osterparade erreicht. In 1.398 Flügen werden 12.940 Tonnen* innerhalb von 24 Stunden nach Berlin geflogen, so dass im Durchschnitt alle 62 Sekunden ein Flugzeug mit Gütern in Berlin landet.

12. Mai

Die Blockade Berlins wird aufgehoben; Autos und Züge können wieder in die Stadt fahren. Die Luftbrücke nach Berlin wird trotzdem fortgesetzt

01. August

Der offizielle Abbau der Luftbrückeneinsätze beginnt.

30. September

Letzter Luftbrücken-Flug der US-Luftwaffe nach Berlin.

06. Oktober

Letzter Luftbrücken-Flug der britischen RAF nach Berlin.

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